So 17. Jun 2018, 17:40
Hallo liebe Forenmitglieder,
ich bin 21 und fast fertig mit meinem Jurastudium. Ich habe ein Stipendium, mein Freund ist Millionärssohn, wir wohnen in einer großen Altbauwohnung mit Garten. Über Geld musste ich mir noch nie Sorgen machen. Meine Familie unterstützt mich, meine Noten in der Schule waren super, meine Noten im Studium sind es auch. Ich führe "nach der Verkehrsanschauung" ein gutes Leben voller Annehmlichkeiten.
Aber immer wenn ich kurz innehalte im Alltag, merke ich, dass es nicht mein Leben ist. Es ist als wäre ich selbst eine ganz andere Person, eine, die ich nie meinem Freund, meiner Familie und all den anderen Menschen zeige. Mein wirkliches Ich kann die anderen Menschen in meinem Studium nicht ausstehen, mein wirkliches Ich hasst die Diskussionen mit meinem Freund über Politik und soziale Ungleichheit, während wir beide wissen, dass es immer nur bei den Diskussionen bleiben wird. Mein wirkliches Ich hasst es, dass unsere Nachbarn reiche Pimpel sind, deren Hauptgesprächsthema der Einbruchsschutz ihrer wertvollen Häuser ist.
Mein wirkliches Ich arbeitet gern im Garten, studiert Pilz- und Pflanzenbücher um danach stundenlang durch den Wald zu laufen, hört gern Musik, schreibt gern kleine Geschichten...
Naja. Ich habe mich in diesem Forum angemeldet, weil ich nie das Gefühl habe, mit meinen wahren Ansichten und Wünschen irgendwo reinzupassen. Mein Freund träumt von schnelleren Autos, Immobilien, dem großen Geld. Das ist nicht meine Welt. Je "erwachsener" ich werde desto sicherer bin ich mir, dass ich andere Lebensziele habe. Ich möchte wie viele hier im Forum ein schönes Grundstück in der Natur, zusammenleben mit Gleichgesinnten, die sich bewusst für einen anderen Lebensweg entschieden haben. Ich möchte raus aus meinem Leben. Jemand anders kann es haben
Nun ich erhoffe mir von meiner Anmeldung in diesem Forum den Austausch mit Gleichgesinnten, vielleicht sogar in meinem Alter. Ich habe gehört, dass es bestehende Gemeinschaften gibt, von denen man Teil werden kann, das werde ich mir mal genauer anschauen. Mein Plan ist es, mein Studium abzuschließen, für ein paar Jahre in eine Großkanzlei zu gehen und mir dann von meinem Ersparten ein Grundstück für die Verwirklichung meiner Träume zu kaufen. Fehlen nur noch Menschen die mitziehen. Und es ist noch eine lange Zeit bis dahin. Keine Ahnung wie ich die überstehen soll.
Soviel zu mir jedenfalls.
Ich hoffe auf einen schönen Austausch mit Euch allen.
Judith
So 17. Jun 2018, 18:17
Hi und grüss dich herzlich!
Du bist wach, spürst was du wirklich willst, wos dich hinzieht... gratuliere dir!
Und du hast super Möglichkeiten, deinen Weg auch zu verwirklichen.
Bis dahin... kannste ja heut und hier schon mal was machen, geniess den Wald, bau was aufm Balkon an oder sonstwo, leb mit der Natur...
Aussteigen passiert zuerst im Kopf und im Bauch....
Mo 18. Jun 2018, 10:11
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Hallo Judith,
ggaaaannzz herzlich willkommen hier Forum
Ja, Deine Gedanken sind frei -
entdecke Deine Gefühle, Deine wahren Sehnsüchte,
mach Dich auf den Weg der Dich dahin bringen kann wo Du wirklich hin willst .... mach Dich auf !
Ich meine nicht planlos einfach mit Rucksack losziehen (obwohl das auch garnicht so schlecht ist), sondern zuerst auf die Reise in Dein innerstes Selbst gehen - horchen, fühlen, nochmal fühlen, aussprechen -
umsetzen !
Um dahin zu kommen wo Du hin willst, wirst Du eine Menge (große! Menge) loslassen müssen -
wahre Identität und wahres Leben kostet -
kostet Deine alte Identität und altes Leben. Anders geht es nie.
Mach es nicht so wie der reiche junge Mann aus dem Neuen Testament (Markus 10, 17-27 und zwei andere Stellen) -
der war enthusiastisch bereit einen neuen erfüllten Weg zu gehen -
war wie dort steht auch ein fast perfekter junger Mann -
aber er konnte nicht loslassen und ging letztendlich traurig weiter ...
(Anmerk.: wenn er nicht reich gewesen wäre, hätte er Anderes loslassen müssen; in der Begegnung ging es nicht ums Geld).
Ich wünsche Dir viel Kraft und Ehrlichkeit und Menschen an Deiner Seite
die Dir helfen.
Alles Liebe und Gute Dir
liebe Grüße von der Ostsee
Andi
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Mo 18. Jun 2018, 15:53
Hi!
Welche Rolle spielt denn dein Freund in deinen Plänen?
So 24. Jun 2018, 21:50
Hallo Judith
Also dein "wirkliches Ich" finde ich sympathisch.

Ich persönlich werde zuerst reisen, bevor ich über ein Leben in einer Selbstversorgergemeinschaft nachdenke.
Wünsche dir jedenfalls alles Gute und dass du bis dahin durchhältst.
Und nimm dir genügend Zeit um der Stimme deines wahren Ichs zu lauschen, damit diese nicht verdrängt wird und verstummt.
Passend zum Thema "Innere Stimme" fällt mir gerade dieses Lied ein:
Letzte Instanz - Meine Innere Stimme
Zitat daraus:
"...
Doch heut begreif ich, was ich brauch. Vernunft allein, macht keinen Sinn. Ich brauch dich, das Gefühl im Bauch, was warnend mir zu denken gibt!
..."
In diesem Sinne wünsche ich dir, das du so "unvernünftig" bist, und das machst, was deine Innere Stimme dir rät.
So aus Neugier: Welche Musik hörst du so?
Grüsse
So 15. Jul 2018, 13:57
Hallo an alle die mir geschrieben haben

erstmal vielen Dank für eure tolle Resonanz! Es tut mir Leid dass ich erst heute wieder von mir hören lasse. Nachdem ich hier geschrieben hatte fiel es mir schwer, wieder meinen Alltag fortzusetzen. Das kennen bestimmt viele von euch. Nun musste ich einfach antworten.
strega: vielen Dank für deine Worte. Mein Freund hat mich neulich einen "Pflanzenmessi" genannt, weil der Balkon schon überquillt!
Andi: ich hoffe ich werde es schaffen loszulassen, derzeit geht das einfach noch nicht. Spielt der Glaube für dich eine große Rolle?
Megalitiker: keine, ich weiß ist problematisch
Weltenwanderer: hör dir mal von Banners "Half Light" an, das finde ich ganz toll dazu. Ich höre alle mögliche Musik, aber ich mag es irgendwie selten wenn Frauen singen. Das "Innere Stimme"-Lied hab ich mir angehört, interessanter Text aber musikalisch nicht meins
Mo 16. Jul 2018, 12:17
Moin Judith,
Erst mal willkommen und schau ruhig öfters rein. Das ich dir dazu erst jetzt antworte liegt daran, das dein Eingangspost schon nicht so häufig ist und mir Fragezeichen aufwarf wie dein zweiter aber auch.
Ist zwar teils auch etwas persönlich und ich hoffe du verzeihst auch etwas meine folgende Kritik sie ist keineswegs negativ gemeint und ich will dir nicht zu nahe treten damit.
Du sagst dein Freund Spiele bei deiner Zukunftsplanung keine Rolle... Klingt für mich eher wie unglückliche Beziehung die du quasi schon abgehakt hast wegen fehlender Zukunftsschnittmengen. Ich kenne ihn nicht und kann auch nicht drüber urteilen warum er so materiell fixiert ist. Ist er das eigentlich in sich drin oder tut er nur so weil man es von einem Millionärssohn so erwartet und er sichs nicht mit seinem Umfeld versauen will? Du kennst ihn besser. Es sind auch schon Banker und Milliardäre ausgestiegen die keinen Sinn sahen für Kontostände dicke Autos oder Aktiendepots zu leben. Wenn du für ihn aber irgendwo liebe empfindest okay aber falls du ihn innerlich abgehakt hast dann frage ich mich wieso du dann daran festhälst. Da gibts wohl genug Leute die gedanklich näher bei dem Leben sind welches du willst.
Du bist jung und ich bin da schon bei dir wenn du sagst du willst dein Stipendium fertig machen- würde ich auch. Aber danach in eine Großkanzlei. Was gibts denn dort zu lernen was einem Selbstversorger Aus- oder Umsteiger wirklich weiter hilft. Da gibts ganz andere Berufe vom Schlachter über den Veternär ökobauer Botaniker etc. Oder eben etwas handwerkliches was du zumindest brauchen könntest in Sachen Fertigkeiten und Wissen wieso also willst du dir so eine Nervenmühle jahrelang antun?
Ich dachte in deinem Alter nicht so tiefgründig wie du das könnte ein Vorteil sein. Entschuldige bitte meine Offenheit aber das ging mir wirklich durch den Kopf.
Gruß Thomas
Di 17. Jul 2018, 03:13
Hallo Judith,
Willkommen erst einmal.
Möchte Dir gerne ne "Mut-Mach" Antwort schreiben.
Im hiesigen Dialekt würde ich Dir sagen "Allet is jut";
und das, obwohl es auf den ersten Blick nicht so aussieht, so wie Du Deine Situation beschreibst.
Warum soll nun alles gut sein?
Ich meine, weil Du schon früh, in jungen Jahren noch, Wesentliches für Dich erkannt hast.
Manche brauchen dafür Jahrzehnte, andere schaffen es nie Zeit ihres Lebens.
Du bist in Verhältnisse, Umwelt, Beziehungen hineingeboren und darin aufgewachsen, hier auch konditioniert worden in gewisser Weise, die Du nicht auswählen und beeinflussen konntest.
Jetzt bist Du in einem Alter wo Du feststellst für Dich, dass Deine Wünsche und Bedürfnisse irgendwie konträr zu Deinem Lebensumfeld stehen, sich so nicht befriedigen und erfüllen lassen.
Du hast noch Dein ganzes Leben vor Dir, freu Dich drüber, Du kannst die Weichen für Dich stellen, Stück für Stück, dahin, dass es "Dein" Leben wird, eines was Dich erfüllen kann und was zu Dir und Deinen Bedürfnissen passt.
Das ist ein Prozess, womöglich ein längerer aber vielleicht ist genau das der Sinn des Lebens, die eigene Aufgabe, Berufung herauszufinden, sich selbst zu finden.
Das ist sicher nicht einfach aber was einfach, leicht und schnell zu erreichen ist, hat oft auch keinen besonderen Wert.
Ich glaube die größten und schwierigsten Hindernisse auf dem Weg sind gar nicht mal in erster Linie finanzieller Natur sondern die Erwartungshaltungen der Gesellschaft, Familie, Freunde, Bekannte, denen man sich ausgesetzt fühlt. (Gerade in wohlhabenden, intellektuellen Kreisen)
Man möchte ja angenommen, geachtet, respektiert und ge- bzw. beliebt sein in der Regel. Man möchte seine vom "Standard" abweichenden Gefühle und Bedürfnisse nicht erklären und rechtfertigen müssen, vielleicht hat man Angst davor "belächelt", ausgestoßen, einsam zu sein, Angst vor Zerwürfnissen im engsten Kreise.
Alles nachvollziehbar und normal denn auch das, das anerkannt und angenommen sein, sind wesentliche menschliche Grundbedürfnisse.
Ich bin jetzt Ü50 schon, lebe seit ein paar Jahren in einem kleinen Häuschen mit Grundstück, um mich herum habe ich ausgedehnte Wälder und viele Seen, ich bin sehr viel in der Natur, ich würde fast behaupten, ich bin inzwischen eins mit ihr. Ich bin irgendwie angekommen und sehr bei mir.
Es war kein leichter Weg dahin und wie es gewesen wäre, wenn mir das sozusagen in den "Schoß" gefallen wäre vielleicht schon in jungen Jahren, kann ich nicht sagen.
Ich hatte extrem viel gearbeitet im Leben, bis zur Erschöpfung, ich vermute dass der Genuss dieses natürlichen, selbstbestimmten und ruhigen Lebens welches ich jetzt "meist" habe damit zusammenhängt, dass es eben nicht so leicht zu erreichen war.
Wenn Du meine Tochter wärest (meine eigene ist auch noch unter 30), würde ich Dir raten, dass Du Dein Jurastudium erfolgreich zu Ende bringst.
Neben dem was Du nach dem Jurastudium angedacht hast würde ich Dir empfehlen, auch Rechtsabteilungen größerer Unternehmen als potentiellen Arbeitsgeber ins Auge zu fassen um da ein paar Jahre zu arbeiten, Erfahrungen zu sammeln, finanzielles Polster für den Ausstieg aufzubauen.
(Hatte selbst sehr viel mit Anwälten, Rechtsabteilung im Unternehmen zu tun)
Fundierte juristische Kenntnisse können auch für einen "Aussteiger" sehr, sehr nützlich sein.
Ich selbst als Laie kämpfe mich grad durch Bau- und Verwaltungsrecht.....brrr.
Judith, vielleicht liege ich ja falsch aber Du scheinst mir vom Typ eher introvertiert, nachdenklich mit ggf. Neigung zum Grübeln, sensitiv, sensibel, das in Kombination mit Hochbegabung?
Falls das zutrifft, erinnert mich das an eine Schulfreundin; in der Schule ein Genie, nur Bestnoten, als "Ausnahmefall" vorzeitig an die Uni geholt, dann als sie Mitte 20 war, in der Zeit der Wende, hat sie alles hingeschmissen, sogar ihre Promotion die kurz vor Anschluss stand und ist mit ihrem Partner (ebenfalls Akademiker) ausgestiegen und zwar ziemlich radikal.
Er hat seit vielen Jahren eine Gärtnerei für zum Teil auch seltene Pflanzen, sie ist nach Jahren wieder ein Stück "rückeingestiegen", lebt eine Art Kombie aus Austiegsleben (Eigenes Gehöft) und Teilzeitjob als Programmierer.
Judith, ich glaube Du machst nichts falsch, finde Deine Wege im Labyrinth des Lebens für Dich auch wenn Du noch ne zeitlang zweigleisig fahren musst um Dich loslösen zu können.
Vor einigen Jahren sah ich mal einen TV Bericht der mich ziemlich beeindruckt hat.
Ein renommierter Herzchirurg aus Bayern hatte als er irgendwo Mitte 50 war alles hingeschmissen und sich seinen Kindheitstraum erfüllt.
Er hat sich einen Truck (weiß nicht ob die Bezeichnung richtig ist) gekauft, für Flüssigware (Abfüllung über Rohre) fährt seit dem Transporte und ist glücklich mit seinem Leben.
LG
jana
PS: Zitat" Hinter Palastmauern werden die größten Tränen vergossen"
Sa 28. Jul 2018, 18:02
DieGedankensindfrei hat geschrieben: ... Jemand anders kann es haben
Ja, so ist das. Die Qual der Wahl eben. Aber wenn du nicht weißt wohin mit deinem Geld usw, hoffe ist noch aktuell, was ja auch ne schwierige Entscheidung ist. Dann kann ich dir eben diese schwierige Entscheidung, kinderleicht abnehmen.

Gib' es einfach mir.
Di 16. Okt 2018, 11:30
Das kenn ich nur zu gut: Meine Eltern kennen auch nur Erfolg und nicht alternativ Leben. Habe mit 40 Jahren bereits ein eigenes Haus und zwei Eigentumswohnungen und verdienen so viel wie viele Männer sonst nicht. Glück ist war anderes!
Meine Oma sagte mal : Geld macht nicht glücklich aber es beruhigt! Das stimmt.
Mein Rat an Dich! Suche dir einen Lebenspartner der deine Träume und Wünsche teilt (das macht glücklich!!)
Verdiene viel Geld und kaufe eine Immobilie die deinen Träumen und Wünschen alles bietet was DU!! brauchst. Lass dir nicht von Immobilienmarkler erzählen was DUU!! brauchts.
Dann kannst du wirklich "erfolgreich" Aussteigen und zwar für immer!!
Mi 17. Okt 2018, 16:19
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@rebrun
... mmmh schwierig
Ja Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt -
ist natürlich was Wahres dran (wissen wir Alle)
Aber insgesamt sehe ich auch einen Widerspruch in Deinen Ausführungen:
Viel Geld zu verdienen um sich dann eine gewünschte Immobilie zu kaufen
um dadurch glücklich zu sein, halte ich für sehr optimistisch.
Und die Schlußfolgerung
dann erfolgreich aussteigen zu können
finde ich sehr gewagt.
Wenn Du nicht ohne eigenes Haus, ohne Eigentum aussteigen kannst,
dann kannst Du auch nicht mit Haus und Geld aussteigen -
sondern nur beruhigt leben.
LG Andi
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Do 18. Okt 2018, 16:27
rebrun hat geschrieben:Mein Rat an Dich! Suche dir einen Lebenspartner der deine Träume und Wünsche teilt (das macht glücklich!!)
Verdiene viel Geld und kaufe eine Immobilie die deinen Träumen und Wünschen alles bietet was DU!! brauchst. Lass dir nicht von Immobilienmarkler erzählen was DUU!! brauchts.
Dann kannst du wirklich "erfolgreich" Aussteigen und zwar für immer!!
Ist in meinen Augen völliger Blödsinn, zuerst muss man selbst wissen wie man Leben mag.
Seine Bedürfnisse herunter schrauben vorher ist viel besser, egal ob man zig Eus hat.
Ansonsten lebt man so weiter wie vorher, man muss nix tun, kann sich ja auch so alles leisten.
Nur wie lange halt ist die Frage.
Sicher hat jeder etwas in der Hinterhand der Aussteigt, nur die Verlockung zu unterbinden es zu nutzen macht den Unterschied.
Daran scheitern die meisten, man hat ja so kann man.