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 Betreff des Beitrags: danke an Herrn Kuhtz
BeitragVerfasst: Mi 25. Dez 2013, 19:16 
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Schamane
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Registriert: So 20. Jan 2013, 17:45
Beiträge: 693
Wohnort: Thoringen
ich möchte mich an dieser stelle bei einem menschen bedanken, der mir sehr
geholfen hat, nicht direkt sondern über seine hefte, die ich seit jahren lese.
dankeschön, an christian kuhtz.
die meisten bewundern irgendwelche superstars oder hollywoodaffen, deren leistung
nur dem kommerz dient. christians arbeiten können jedem nützen.
dafür bewundere ich ihn.

Christian Kuhtz, der Gründer und Autor von "Einfälle statt Abfälle" betreibt
auch keine Internetseite. Seine Bitte, um den Missbrauch zu stoppen besteht darin,
dass Interessenten an seiner über dreißig Jahre langen Arbeit für seine Bücher,
diese von ihm direkt unter Christian Kuhtz, Hagebuttenstraße 23, 24113 Kiel, zu beziehen

ausm netz:
Der Mann hat weder Telefon noch Internet, die Kontaktaufnahme und -pflege funktioniert
nur über den Postweg. Man könnte meinen, Christian Kuhtz sei ein Technikfeind,
aber der gelernte Maschinenbauer ist ­alles andere als das. Kuhtz ist möglicherweise ein
Kauz das war über meinen Briefkontakt mit ihm nicht so genau festzustellen , aber er
ist definitiv kein Spinner. Ganz sicher ist er ein Visionär, ein leidenschaftlicher
Vordenker und Vormacher einer echten Energiespar-, Subsistenz und Recyclingkultur.
Bei Christian Kuhtz muss die Technik dem Menschen dienen, nicht umgekehrt und das gilt
auch für moderne Ökotechnik. Der Kieler ist der Kopf hinter den in deutschsprachigen
Alternativkreisen bestens verbreiteten "Einfälle-statt-Abfälle"-Heften mit ihren eingängigen
Selbstbau-Anleitungen; in fast allen bisherigen Veröffentlichungen ist er alleiniger
Tüftler und Autor in Personalunion. Der 52-Jährige hat sein Leben der Verbreitung des
Selbermachen-Gedankens verschrieben und dank entsprechender Fähigkeiten und Anstrengungen
die eigenen Lebensumstände mustergültig ressourcenoptimiert. Christian Kuhtz weiß sich
Kleidung und Schuhe selbst herzustellen, und das Grundstück seiner Familie hebt sich
durch einen wilden Selbstversorgungsgarten von den übrigen Parzellen der Kieler Siedlung
ab. Ein auf möglichst umfassende Subsistenz ausgerichtetes Leben kennt durchaus Bereiche,
die von Technik wenig berührt sind etwa das Gärtnern , doch das richtige technische
Knowhow macht eben vieles leichter.

aus der taz:
ZU BESUCH BEI EINEM SPARSAMEN TÜFTLER

VON GABRIELE GOETTLE

Christian Kuhtz, Jahrgang 1958, bekam als Schüler bereits einen 1. Preis bei "Jugend forscht" für seine Sattlernähmaschine. Später studierte er Maschinenbau in Kiel, arbeitete. Er ist ein genialer Verwerter von Wohlstandsmüll, Erfinder und Designer, Konstrukteur von Schwerlastfahrrädern ohne Schweißen, von Windrädern, Sonnenkollektoren, Solaröfen, Abwärmeöfen, einer Komposttoilette, eines Lehmfachwerkhauses. Er entwirft und baut alles, vom Haushaltsgerät bis hin zu einer ambulanten Kleintöpferei als Wandergewerbe. Keine seiner Erfindungen lässt er patentieren, er will sie verfügbar halten und vergesellschaften. Zu diesem Zweck hat er preiswerte und äußerst präzise Bauanleitungen verfasst, die, zusammen mit gut gemachten Handzeichnungen, den Nachbau auch für Laien erfreulich einfach machen. Seine Konstruktionen sind nicht nur technisch wohlüberlegt, er gibt ihnen auch immer eine ästhetisch elegante Form. Er arbeitet mit Kindergruppen und entwirft anschauliche pädagogische Modelle, berät und unterhält Kontakte zu Projekten in Afrika und Südosteuropa. Kuhtz ist ein Fossil aus den 70er-Jahren, aus den Anfängen der Umweltschutzbewegung, aus dem vordigitalen Zeitalter, dem er unverbrüchlich die Treue hält. Angesichts unserer Weltlage könnte er schnell zum Avantgardisten werden. Er lebt konsequent und spartanisch mit seiner Frau und den beiden Kindern in einer Doppelhaushälfte, ohne Auto, Telefon, Internet und Fernsehen, ohne Kaffeemaschine und Kühlschrank. Er ist Vegetarier, toleriert aber, wenn die Kinder Lust auf Wurst haben.

An einem glühend heißen Tag im August fahren Elisabeth und ich zur südlichen Kieler Vorstadt, in eine musterhaft schmucke Siedlung. Das Areal, Teil des ehemaligen großen Exerzierplatzes der Marinesoldaten, wurde nach dem Ersten Weltkrieg an kinderreiche Familien vergeben, zur Bebauung in Gruppenselbsthilfe. Jede Parzelle verfügte über ein schmales langes Gartengrundstück für die Selbstversorgung innerhalb der Siedlung. 1936 benannte man viele der Straßen nach toten SA-Männern. Seither heißt sie im Volksmund SA-Siedlung. Unter der Siedlung aber liegt, weitgehend vergessen, noch ein ganz anderer historischer Boden: Von der Protestversammlung der aufständischen Kieler Matrosen auf dem großen Exerzierplatz ging 1918 die Novemberrevolution aus.

Heute wirkt hier alles brav, nur das holzverkleidete Haus in der Hagebuttenstraße, mit Sprossenfenstern, ohne Zaun oder Hecke, tanzt aus der Reihe. Vor der Tür steht lilafarben ein dreirädriges Tandem-Lastenfahrrad. Christian Kuhtz rupft im blühenden Vorgarten Unkraut und führt uns nach kurzem Gruß in den Garten. Vorbei am Sonnenkollektor auf dem Hausdach, am verglasten seitlichen Vorbau, hier ist sein Stromfahrrad untergestellt und seine pädagogischen Geräte, sein Energie-Experimentierfahrrad für Kinder. Vorbei auch an einem schönen Zaun aus Haselnusszweigen. Und an Liam, dem älteren der beiden Söhne, der bis zu den Schultern in einem selbst gegrabenen Loch im Sandkasten steht, um nachzuschauen, wie er sagt, was ganz tief unten ist. Im Garten stehen zwischen Obstbäumen, dichten Gebüschen, Brombeerhecken, Blumen und Gemüsebeeten zwei auffallend schöne massive Holzhütten mit Dachziegeln und alten Fenstern, wiederverwertet aus Teilen seines vorigen Wohnhauses, gebaut als Spielhäuschen für die Kinder.

Daneben einladend im Schatten Tisch und Bänke. Weiter hinten im Garten, hoch oben auf drei Stützen, läuft hurtig ein Windrad mit erstaunlich kleinen Flügeln. Und etwas abseits, aufgebockt auf einem Sammelkasten, thront felsenfest das hölzerne Kompostklo samt Treppchen, die Tür ohne Herz. Das Holz ist silberfarben gealtert, am Geländer rankt eine Kürbispflanze hinauf. Christian Kuhtz erklärt: "Das Kompostklo steht seit sieben Jahren, ich habe es aus alten Palettenbrettern gebaut, es funktioniert problemlos mit einem Schäufelchen voller Holzspäne, beispielsweise von der Buche, die schnell rottet. Und es entsteht dabei, hier unten sammelt es sich, ein interessantes, sehr wichtiges Produkt: das ,Pischerol', ein Flüssigdünger, mit dem ich das Gemüse und den Kürbis dünge. Das Kompostklo ist eigentlich das, was den Kreislauf schließt. Und es spart eine Menge Abwasser. Wir haben zwar zwangsweise noch ein WC, nutzen es aber kaum, wie überhaupt das Abwassersystem. Abwässer sind eigentlich reine Umweltverschmutzung. Wir nutzen zum Beispiel die Spülgänge der Waschmaschine als Gartenwasser, weil wir ja keine Giftwaschmittel nehmen.

Und als Letztes dann noch das Windrad dort. Man hat ja immer mit gesetzlichen Vorschriften zu kämpfen, aber meine Selbstversorgerwindräder sind so klein, dass sie durch die Gesetzeslücken schlüpfen. Unseres hat anderthalb Meter Durchmesser und ist siebeneinhalb Meter hoch. Es versorgt unseren Haushalt mit Strom, quasi vollständig. Das ist natürlich nur durch einen entsprechenden Umgang mit Strom machbar. Also wir haben in den letzten drei Jahren fast genau eine Punktlandung gemacht und nur 80 kWh fürs ganze Jahr dazugekauft bei Elektrizitätswerke Schönau, den so genannten Schwarzwälder Stromrebellen. Wir zahlen freiwillig und gern den höchstmöglichen Ökostrom-Fördertarif, weil EWS der engagierteste Ökostromerzeuger ist, von dem ich weiß. Null Verflechtung mit der Atomindustrie! Sie haben sogar das Netz freigekauft. Ja, ich weiß, es hat nicht jeder einen Garten, um ein Windrad aufzustellen, aber Strom von wirklich umweltfreundlichen Stromerzeugern beziehen, das kann jeder!"

Während wir uns wieder Richtung Haus bewegen, schlägt der Hausherr vor, das Gespräch im alten Garten fortzusetzen, auch angesichts der Kinder, die stören könnten. Wir fahren gemeinsam mit dem Auto bis an den Rand der Siedlung und spazieren, samt unserem Hund, einen Waldweg entlang. Christian Kuhtz geht barfuß und federnd in seinen geräumigen, selbst gemachten Lederschuhen neben uns her und erzählt, wie er hier lebte, im Abbruch-Behelfsheim. Ohne Genehmigung, ohne Strom und Heizung, mit Windrad und selbstgebautem Ofen. Plötzlich führt er uns nach rechts, mitten hinein ins Unterholz, und stapft zu einer sumpfig feuchten Senke: "Das war unsere Quelle, die wurde von der Abrissfirma mutwillig zerstört", erklärt er und geht voran über umgefallene Baumstämme, durch Dornen und Brennnesseln, zu einer kleinen Anhöhe. "Hier im Gelände liegen überall Steine verbuddelt, Trümmer noch von Kriegszeiten. Aus den Trümmern haben sich die Leute nach 45 kleine Häuschen gebaut. Und eines davon war das Behelfsheim, wo wir bis Dezember 1995 wohnten, als das hier noch unser Garten war." Er deutet auf das Dickicht und sagt: "Das ist unser alter Garten!"
Wir sind sprachlos. Der erwartete verwilderte Garten, mit irgendwelchen Sitzgelegenheiten und irgendeiner Erfrischung gegen die Hitze, existiert nicht, oder nur vor dem inneren Auge des ehemaligen Bewohners. Wir setzen uns auf Baumstämme und nehmen die bestürzende Ungastlichkeit ergeben hin, angesichts der konsequent spartanischen Haltung unseres interessanten Gegenübers.

Christian Kuhtz schlägt die Beine übereinander und erzählt: "Angefangen hat das bei mir ja schon viel früher. Eine wichtige Erfahrung war der Widerstand gegen den Bau des Atomkraftwerks Brokdorf, 1976. Aber nur auf die Demo zu gehen und nichts zu bieten zu haben, das war mir zu wenig. Ich habe im Garten eines Freundes herumexperimentiert mit Windrädern, die billig sein sollten und zum Nachbauen für andere, aus Sachen, die man leicht findet. Die gesamte Technik, mit der man Strom erzeugen und speichern kann, ist ja in alten Autos zu finden. Da habe ich viel gelernt aus Fehlern im Lauf der Zeit. Ich habe in der Autolichtmaschine elektrische Verbesserungen vorgenommen. Später habe ich alte Fußbodendielen zu dynamischen Flügeln gehobelt. Da gab es immer wieder Anfragen von Leuten, bis dann so 1981 das Konzept da war. Es änderten sich natürlich eine Menge Details von 1981 bis heute, aber das Grundkonzept ist geblieben. Mit so einem Windrad versorgen wir unseren Haushalt. Was wir da brauchen, ist vor allem Licht für Beleuchtung. Radio und Kassettenrecorder haben wir auch noch. Ja, Waschmaschine haben wir auch, aber die Heizstäbe sind raus, sie wird mit Wasser aus dem Sonnenkollektor gefüllt, im Winter macht es der Ofen heiß. Also die A-Plus-Waschmaschinen von heute verbrauchen für eine Wäsche beispielsweise 0,4 kWh, wir verbrauchen nur ein Drittel davon, mit unserer 26 Jahre alten G-Minus-Waschmaschine. Das ist mit so einem kleinen Windrad locker zu schaffen. Wir erzeugen ja 12 Volt damit, alles im Haus ist auf 12 Volt umgestellt und für die Beleuchtung im Haus benutzen wir Autoglühbirnen aus Schrottautos. Also die meistgebrauchten bei uns sind die aus den Blinkern, 20 Watt. Für die Lampen habe ich kleine Adapter reingelötet in den normalen Glühbirnensockel, das sind jetzt solche Dreh- und Steckfassungen. Wir haben auch die 12-Volt-Halogenlampen, die effektiver sind. Also das Licht reicht gut zum Lesen, Basteln und was sonst noch so gemacht wird bei uns.

Kochen tun wir mit Gas, Propangas. Das gute an Propan ist, dass es zwar fossiler Brennstoff, aber ein Abfallprodukt ist, das beim Raffinieren von Erdöl zu Benzin, Heizöl usw. entsteht. Das meiste wird abgefackelt, weil es kein großes Verwertungsnetz gibt bei uns. Propangas kann ich nur empfehlen. Wir verbrauchen zwei Flaschen zu je elf Kilo im Jahr, also das ist an Kosten weit weniger, als die Grundgebühr für einen Gasanschluss beträgt. Morgens koche ich einen Getreidebrei, der braucht dann schon 20 bis 40 Minuten, aber die Hälfte der Zeit wickle ich ihn zum Quellenlassen in Decken ein. Im Winter übernimmt das der Ofen. .......
Bild

_________________
nach irdischer größe nur trachtet die falsche gesellschaft der menschen --zitat aus h.d.thoreaus "walden"


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Verfasst: Mi 25. Dez 2013, 19:16 


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