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BeitragVerfasst: Fr 22. Dez 2017, 11:37 
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Backpacker
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Liebe Community! Ich habe eine super Methode entdeckt, wie Leute die etwas ändern möchten aber allenfalls noch unentschlossen sind wohin die Reise gehen soll, Entscheidungshilfe erhalten.

Vielleicht kennen das einige von euch schon. Es nennt sich "Medizin-Wanderung" und hat schamanischen Ursprung. Das Prinzip ist denkbar einfach: Man geht bei Sonnenaufgang (oder in einer verkürzten Variante am Mittag) los mit unbestimmtem Ziel. Die Wanderung absolviert man fastend und alleine (also auch nicht in Begleitung eines Hundes, z.B.). Wasser ist natürlich dabei. Ebenfalls mit dabei im Gepäck hat man eine konkrete Frage, die man sich zurzeit gerade stellt. Die Frage sollte einfach im Hinterkopf sein. Man kann sie sich auch auf einen Zettel schreiben, um sie sich wieder zu vergegenwärtigen, sollte man thematisch abschweifen. Dann wandert man los und lässt sich einfach mal inspirieren von dem, was da ist. Man kann sich einfach treiben lassen, sollte sich aber auch hinterfragen: Wieso habe ich jetzt die Abzweigung nach links genommen statt nach rechts? Was hat mich links angezogen respektive rechts abgestossen (jetzt nicht politisch gesehen...)? Und was hat diese Entscheidung allenfalls mit meiner "Lebensfrage" zu tun?

Bei Sonnenuntergang beendet man seine Wanderung. Im Nachgang sollte man das natürlich reflektieren. Mit einem guten Mass an Selbstreflexion ist das alleine möglich. Man kann dazu aber auch einen Coach, Therapeuten oder einen guten Freund/eine gute Freundin beiziehen, die einem hilft beim Reflektieren.

Ich habe das vorgestern gemacht. Wenn ihr bock habt, kann ich euch gerne so eine Art Protokoll dieser Wanderung hier reinstellen. Damit ihr euch vielleicht konkreter vorstellen könnt, wie das abgelaufen ist.

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 Betreff des Beitrags:
Verfasst: Fr 22. Dez 2017, 11:37 


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BeitragVerfasst: Fr 22. Dez 2017, 16:26 
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Durchgeknallt
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Oh ja gerne, mach mal, das hört sich interessant an.
Medizinwanderung in dem Sinne, kenne ich nicht.

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 Betreff des Beitrags: Meditative Spaziergänge
BeitragVerfasst: Mo 1. Jan 2018, 21:51 
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Durchgeknallt
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Ist so ähnlich, wie du oben beschrieben hattest.
Ich hatte in den letzten Tagen ein Buch über die Raunächte gelesen.
Da kam ich zu dem Kapitel - Meditative Spaziergänge - .
Ich finde es immer sehr interessant, dass, wenn man etwas neues sieht, hört, es einem plötzlich überall begegnet, bzw. man achtet eher darauf?

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BeitragVerfasst: Mo 1. Jan 2018, 23:00 
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Tunnelmensch
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Letztes ist richtig und erinnert an selektive Wahrnehmung. Wenn zum Beispiel ein bestimmtes Auto mein Interesse weckt, sehe ich plötzlich massenhaft diese Marke auf der Strasse, weil mein Gehirn sie raus filtert.

Beim oben beschriebenen Spaziergang sehe ich praktische Schwierigkeiten. Man läuft 40 Km am Tag. Wie komme ich wieder nach Hause? Es sei denn ich wähle bewusst eine Kreisroute.
Meiner Meinung nach macht das nur in einer fremden Umgebung Sinn, wo ich nicht weiss wo die nächste Gabelung mich hin fuehrt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Meditative Spaziergänge
BeitragVerfasst: Mi 3. Jan 2018, 15:21 
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Backpacker
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Shiva hat geschrieben:
Ist so ähnlich, wie du oben beschrieben hattest.
Ich hatte in den letzten Tagen ein Buch über die Raunächte gelesen.
Da kam ich zu dem Kapitel - Meditative Spaziergänge - .
Ich finde es immer sehr interessant, dass, wenn man etwas neues sieht, hört, es einem plötzlich überall begegnet, bzw. man achtet eher darauf?


Ich denke, dass es noch ein paar solcher Methoden gibt. Ein Freund hat mir von einer berichtet, bei der man sich im Wald einen Stein sucht und anhand dieses Steins existentielle Fragen stellt/beantwortet. Auch sie hat schamanischen Ursprung.

Und ja! Das ist normal, dass einem dann mehr auffällt, weil man halt seine Antennen danach ausgerichtet hat. Als ich beispielsweise eine Lebenspartnerin hatte, die einen Kopf grösser war als ich, sind mir plötzlich viele Paare aufgefallen, bei denen er kleiner war als sie.

Megalitiker hat geschrieben:
Beim oben beschriebenen Spaziergang sehe ich praktische Schwierigkeiten. Man läuft 40 Km am Tag. Wie komme ich wieder nach Hause? Es sei denn ich wähle bewusst eine Kreisroute.
Meiner Meinung nach macht das nur in einer fremden Umgebung Sinn, wo ich nicht weiss wo die nächste Gabelung mich hin fuehrt.


Bei Sonnenuntergang ist es ja noch nicht stockfinster. Da kann man dann noch zur nächsten Bushaltestelle gehen oder zur nächsten Strasse, um den Daumen in den Wind zu halten.

Und ja! Unbekannte Gegend kann hilfreich sein - ist aber nicht unbedingt zwingend notwendig... so wie ich das im Nachhinein einschätze...

Aber hier nun endlich mein lange versprochener Bericht:

Meine Medizin-Wanderung


«Wohin führt mein weiterer Lebensweg?». Meine Frage, die ich auf meine Medizin-Wanderung mitnehmen sollte, war schnell gestellt. Meine Therapeutin empfahl mir, sie auf einen Zettel zu schreiben und mitzunehmen, damit ich sie hervorholen kann, sollte ich thematisch vagabundieren und von der eigentlichen Frage abkommen. Die Regeln: Das Mobiltelefon muss während der Wanderung ausgeschaltet sein, mitgenommen werden sollen etwas zu Trinken und allenfalls ein Apfel – falls der Hunger überhandnehmen sollte und man sich aufgrund des Hungergefühls nicht mehr konzentrieren kann. Zu Beginn soll man über eine symbolische Schwelle treten und sich vorher noch einmal sagen: «Ich gehe jetzt auf meine Medizin-Wanderung mit der Frage, wohin mein weiterer Lebensweg führt!».

Natürlich habe ich mir im Vorfeld schon einige Gedanken gemacht. Ich freute mich darauf, auch einfach mal vom Weg abzukommen. Einen bewaldeten Hang durchqueren ohne zu wissen, wo ich da rauskommen werde. Und irgendwann wurde für mich klar, dass ich einen anderen Ort als meinen Wohnort als Start der Medizin-Wanderung nehmen würde. Die Gegend kannte ich zu gut. Da war die Gefahr zu gross, sich zu sagen: «Da drüben ist das Dorf XY – mal schauen ob ich’s bis dahin schaffe!» und dabei vom eigentlichen Thema abzukommen. Zudem wohne ich in einem Alpental mit seinen winterlichen Tücken – beispielsweise einem möglichen Lawinen-Niedergang. Also entschloss ich mich, weiter unten im Tal, wo ich mich weniger auskannte und wo die Umgebung weniger alpin ist, ein Hotelzimmer zu buchen und den Abend nach der Medizin-Wanderung im lokalen Thermalbad ausklingen zu lassen. Zwar kannte ich mich weiter unten im Tal weniger aus, aber halt immer noch gut genug, um mir einen Plan zurecht zu legen, in welche Richtung ich loslaufen wollte.

Am Tag meiner Medizin-Wanderung bezog ich um 11 Uhr das Hotel-Zimmer. Von der Hotel-Rezeption ging es zwei Treppen runter zu meinem Zimmer. Es lag am Anfang eines Korridors, der zur Tiefgarage führte. Die konnte man durchqueren um zum Thermalbad zu gelangen und zu einem Hinterausgang. Ich beschloss als meine symbolische Schwelle die Schwelle zu meinem Zimmer zu wählen und nicht den Eingang zum Hotel. Das ermöglichte mir, die Hotel-Rezeption zu meiden und durch die Tiefgarage den Hintereingang zu erreichen. Meine Motivation war es, möglichst schnell die Zivilisation hinter mir zu lassen.

Ich ging also durch den Hintereingang ins Freie und ging in die Richtung, die ich mir vorgenommen hatte. Ich konnte zu ihr gelangen, indem ich einen weniger belebten Dorf-Teil durchquerte. Aber nach wenigen Metern schon blieb ich stehen und betrachtete die Talseite, die ich erreichen wollte. Sie lag im Schatten und war stark bewaldet. Ausser durch den Wald zu irren oder in ein Seitental zu gelangen sah ich nicht sehr viele Möglichkeiten. Ich wandte mich der anderen Talseite zu. Die Sonne liess sie hell erscheinen. Auch sie war bewaldet, hatte aber grosse Lichtungen mit weiten, schneebedeckten Wiesen. Sie schien mir attraktiver und ich glaubte, sie böte mehr Möglichkeiten. Nur: Um sie zu erreichen musste ich durch den vielbelebten Teil des Dorfes. Nach einigem Abwägen während dem mein Blick immer wieder von der einen zur anderen Talseite schweifte, entschied ich mich für die Sonnenseite. Und die Zivilisation? «Da musst du jetzt durch!», sagte ich mir. Ich änderte also meine Richtung und wählte einen Weg, der mir ermöglichte so gut wie möglich den Kontakt mit Menschen zu vermeiden. Ich kam zum Eingang zu einem Seitental, durch das sich ein Fluss schlängelte. Als ich in dieses Seitental entfliehen wollte vor der Zivilisation, stand mir aber eine Absperrung im Weg. Das Seitental war nicht zugänglich, weil es in der Wildschutzzone liegt. Und natürlich wollte ich die Wildschutzzone respektieren. Also ging ich weiter am Dorfrand und kam durch das Villen-Viertel. Noch immer getrieben von meiner Zivilisationsflucht wählte ich hier die Wege so, dass sie mich möglichst schnell in die Natur bringen würden. Die zahlreichen Wegweiser konnte ich nicht lesen, weil ich meine Brille nicht trug – absichtlich.

Bald fand ich einen Weg, der bergauf führte und mich aus dem Villen-Viertel herausbrachte. Es war ein steiler Weg. Mein Ziel war es, irgendwann den Hang zu queren. Oft nahm ich einen Seitenweg um zu prüfen, ob ich bereits hier meine Hangquerung machen sollte. Die Hoffnung, dass es aber weiter oben eine bessere Möglichkeit gäbe zur Hangquerung, trieb mich aber immer wieder auf den ursprünglichen Weg zurück und weiter bergaufwärts.

Nach einer Zeit des mühseligen Aufstiegs entdeckte ich zu meiner Rechten im freien Hang eine Baumgruppe bestehende aus drei knorrigen Bäumen. Ich fühlte mich auf irgendeine Weise zu dieser Baumgruppe hingezogen. Sie schien nur querfeldein erreichbar zu sein. Zwar verfüge ich über Basis-Kenntnisse zur Einschätzung der Lawinen-Gefahr. Aber ich zögerte dennoch, über das Schneefeld auf direktem Weg zur Baumgruppe zu gelangen. Es sind eben nur Basis-Kenntnisse und für eine richtige Analyse kann ich nicht alle Faktoren wirklich einschätzen. Ich blieb lange stehen und wog ab. Schliesslich entschied ich mich, den offiziellen Weg weiter zu gehen. Allenfalls würde es ja weiter oben eine Möglichkeit geben, doch noch zur Baumgruppe zu gelangen. Zumindest erkannte ich weiter oben Pfosten im Hang, die in Richtung der Baumgruppe führten. Das konnten aber ebenso gut Pfosten für einen Weidezaun sein, ohne dass ein Weg in der Nähe wäre.

Tatsächlich teilte sich aber der Weg weiter oben. Der eine Weg ging als Hangquerung in Richtung eines Waldes, der andere führte oberhalb der Baumgruppe vorbei. Ich nahm den Weg Richtung Baumgruppe und musste über der Baumgruppe noch ungefähr 50 Meter querfeldein hinunter zur Baumgruppe. Als ich bei der Baumgruppe angelangt war, stellte ich fest dass sie über einem Abhang stand, der in das Seitental hinunter führte, das ich ursprünglich nehmen wollte. Ich blieb einen Moment bei den Bäumen und ging dann zurück zum Ausgangspunkt, an dem ich abwog welchen weiteren Weg ich nehmen sollte. Den Rückweg trat ich querfeldein an. Ich fühlte eine grosse Befriedigung darüber, dass ich den Abstecher gemacht hatte und erkannte, dass ich jetzt oben bin und mir durchaus auch die Zeit nehmen kann, etwas auszuprobieren. Vom Ausgangspunkt aus nahm ich wieder den offiziellen Weg an dem auch eine Sitzbank war, auf der ich nun Platz nahm, ins Tal hinunterschaute und die Ruhe und die schöne Aussicht genoss. Auch die Tatsache, dass nicht unweit davon entfernt eine Schneeschuh-Wanderin den Berg bestieg und etwas entfernter Skifahrer den Tiefschnee hinunterfuhren, störte mich nicht. Beinahe hätte ich mich belohnt, indem ich den Apfel gegessen hätte. Ich entschied mich aber dagegen, weil ich den Vorgaben entsprechen wollte und die Medizin-Wanderung weiterhin fastend verbringen wollte – zumal mein Hungergefühl nicht störend war.

Ich ging weiter des Weges durch den Wald. Noch immer ging es streckenweise bergauf, die allgemeine Richtung war aber dennoch die Hangquerung. Mir fiel plötzlich auf, dass ich – mit Ausnahme des Besuchs der Baumgruppe – noch zu keinem anderen Zeitpunkt querfeldein ging. Bin ich etwa doch nicht der Typ fürs Unkonventionelle? Bin ich nicht der «Aussteiger-Typ» und brauche doch irgendwie vorgepfadete, wenn auch wenig betretene, Wege? Und mir fiel auf, dass ich sehr viel bergauf gegangen bin. Mir kam meine Passion in den Sinn, mit dem Fahrrad Pässe zu erklimmen. Viele fragen mich immer wieder, weshalb ich mir diese Mühe antue. Aber ich finde es ein äusserst befriedigendes Gefühl, nach all der Anstrengung (oben) anzukommen. Klar könnte ich das auch mit dem Bus oder dem Auto. Aber mit dem Fahrrad habe ich mehr das Gefühl, es alleine geschafft zu haben. Mit diesen Gedanken kam ich zur nächsten Wegkreuzung. Der eine Weg führte auf einen jener Winter-Wanderwege, die vor allem für Touristen angelegt sind und einen Rundgang ums Dorf mit Naturbeschauung ermöglichen. Der andere Weg führte in Richtung eines Berggipfels. Mit der Überzeugung, dass irgendwann mal genug ist und ich nicht jeden Gipfel stürmen muss, entschied ich mich für den konventionellen Winter-Wanderweg. Ja, ich freute mich sogar richtiggehend wieder in die Zivilisation zu kommen. Und ich freute mich auch noch, als ich den Dorfrand des nächsten Dorfes erreichte. Meine Freude verging aber schnell wieder. Mitten im Dorf durchquerte ich eine enge Strasse, die links und rechts von Häusern gesäumt war, keinen Anblick ausser jenen der Häuserfronten gewährte und auch keine Ausweichmöglichkeiten bot. Meine Zivilisations-Flucht hatte mich wieder und ich versuchte wieder, so schnell wie möglich aus dem Dorf in die Natur zu gelangen. Ich nahm lieber eine präparierte Langlauf-Loipe und riskierte, von einem Langläufer zurecht gewiesen zu werden als dass ich eine Strasse nahm an der ich ein Hotel erblickte vor dem eine Gruppe diskutierender Personen stand.

Bald hatte ich auch dieses Dorf hinter mich gebracht. Weiter schien es nun nur auf einer geteerten, von Autos befahrenen Strasse zu gehen oder auf einem weiteren Winter-Wanderweg. Aber dann entdeckte ich einen verschneiten Wegweiser im Wald. Ich näherte mich und tatsächlich war da ein schmaler Pfad, der in den Wald führte und gemäss Wegweiser ins nächste Dorf. Dort wollte ich nun hin und den Zug zurück zu meinem Ausgangs-Dorf nehmen. Schliesslich stand die Sonne schon ziemlich tief. Dass ich diesen Weg entdeckt habe, beflügelte mich wieder ungemein und gab mir Kraft. Ich kam schnell voran. Dennoch rechnete ich damit, dass ich erst nach vollständigem Sonnenuntergang im nächsten Dorf ankommen würde. Dort wollte ich mir in einem Restaurant, das ich kannte, ein Bier und ein belegtes Brot gönnen. Der Pfad führte lange durch den Wald entlang der Höhenlinie. Dann senkte er sich in Richtung eines Seitentals. Unten in diesem Seitental entdeckte ich einen freilaufenden Hund. Dann einen zweiten, einen dritten und einen vierten. Weit und breit schien kein Mensch sich um die Hunde zu kümmern. Das war mir nicht ganz geheuer. Obschon freilaufende Hunde in der Schweiz kein bekanntes Problem sind – nicht etwa wie in Griechenland. Da die Sonne mittlerweile hinter den Bergspitzen verschwunden ist und der Weg ins nächste Dorf noch länger schien als ich mir das gedacht hätte, kehrte ich um. Im Dorf, das ich als letztes hinter mir gelassen hatte, nahm ich den Bus zurück zum Ausgangs-Dorf.

Ein paar besoffene Touristen drängten sich beim Eingang des Busses vor. Ich schüttelte nur den Kopf und dachte: «Na, ihr werdet mir die Freude an der Zivilisation nicht zurückgeben!». Im Hotel dann eine Dusche und ab ins Thermalbad. Im warmen Wasser liegend (am liebsten hätte ich das nackt gemacht, denn so fühlte ich mich eigentlich auch nach dieser Medizin-Wanderung) sinnierte ich über dies und das: Vergangene Freundschaften, enttäuschte Liebe, mein Weg der mich hierher geführt hat und natürlich auch die Erkenntnisse aus dieser Wanderung:

Mein Weg muss nicht ein bestimmtes Ziel haben. Aber wo immer er hinführt: ich will mir die Option offenhalten, die Richtung zu wechseln.

Mein Weg kann und darf auch mühselig werden

Mein Weg muss nicht unbedingt auf einen Gipfel führen.

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BeitragVerfasst: Mi 3. Jan 2018, 20:49 
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Tunnelmensch
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Ich muss dazu aber sagen, ob Wanderung oder Stein, ich bin nicht spirituell und kann damit nix anfangen. Nur weil dass damals unwissende Schamanen gemacht haben und "Back to the Roods" grad in ist, Heisst das nicht das es irgendeinen praktischen Sinn hat.

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BeitragVerfasst: Mi 3. Jan 2018, 23:03 
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Backpacker
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Megalitiker hat geschrieben:
Ich muss dazu aber sagen, ob Wanderung oder Stein, ich bin nicht spirituell und kann damit nix anfangen. Nur weil dass damals unwissende Schamanen gemacht haben und "Back to the Roods" grad in ist, Heisst das nicht das es irgendeinen praktischen Sinn hat.


Naja. Schamanen hin oder her. Das Interessante daran finde ich die Reflexion. Sich Zeit zu nehmen, sich mal ein paar Dinge grundsätzlich zu überlegen. Und da sind halt solche "Hilfsmittel" ganz hilfreich. Ob die jetzt von Schamanen kommen oder hochgebildeten Psychologen ist mir eigentlich Wurst.

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BeitragVerfasst: Do 4. Jan 2018, 03:41 
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Freak
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Nutzlos? Nicht fuer Jeden, vielleicht.
Wer genaue Vorstellungen oder Plaene hat, braucht das sicher eher nicht.
Das ganze halte ich aber nicht fuer Hokuspokus; immerhin ist es am Ende ja eine Art Selbst-Beobachtung um herauszufinden was man schon weiss, dies aber noch nicht weiss.
Da gibt es Menschen die das waehrend des Einschlafens hinbekommen, und Andere die ein Werkzeug (Wanderung) dazu benutzen.

No-Mad, bei Deiner Beschreibung frage ich mich, ob Du -im Text- Deine spaeteren Gedanken eingeflochten hast, oder ob die zeitgleich beim Marschieren daherkamen.
Es waere auch interessant herauszufinden, ob Du im SOMMER gleiche 'Entscheidungen' getroffen haettest.

Ohne es so zu wissen habe ich selber schon aehnliche Wanderungen gemacht. Bin Wasserfaelle hoch geklettert und dann einem Fluesschen in's Nirgendwo gefolgt, oder einfach mal einen interessanten Felsen hoch, damit ich anschliessend runterschauen kann. (Habe wohl einen Kletter-Fetisch ;) ) Oder die ach so verlockende Hoehle hier und da.
Meine Motivation war da zwar (vordergruendig?) immer eine andere, aber wenn man so etwas macht, kommen Einem automatisch Dinge in den Kopf; man beschaeftigt sich bewusster mit sich selber, ist weniger abgelenkt und lernt sich besser kennen.
Was ist, wenn man etwas herausfindet, was man gar nicht wissen wollte?


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BeitragVerfasst: Do 4. Jan 2018, 08:07 
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Backpacker
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Andreas hat geschrieben:
No-Mad, bei Deiner Beschreibung frage ich mich, ob Du -im Text- Deine spaeteren Gedanken eingeflochten hast, oder ob die zeitgleich beim Marschieren daherkamen.
Es waere auch interessant herauszufinden, ob Du im SOMMER gleiche 'Entscheidungen' getroffen haettest.



Im Sommer wäre ich wohl im Anschluss nicht ins Thermalbad, sondern in den kühlen Bergbach... :wink:

Aber den Input finde ich sehr berechtigt. Ich habe mir auch überlegt ob ich das alles so gemacht hätte, wenn die Witterung anders gewesen wäre. Wenn beispielsweise der sich mir sonnig präsentierende Hang in dichtem Nebel gehüllt gewesen wäre.

Meine Vermutung ist, dass ich auf ähnliche Ergebnisse gekommen wäre - vielleicht (oder ganz bestimmt) auf anderen Wegen. Auf ähnliche Ergebnisse halt deshalb, weil mich diese Themen, die ich reflektiert habe, ja auch "umtreiben".

Aber es wäre sicher interessant, das Experiment im Sommer zu wiederholen. Beispielsweise den Aspekt mit dem querfeldein-gehen. Hätte ich im Sommer allenfalls auch mal den vorgegebenen Weg verlassen und wäre quer durch einen dichten Wald? Hätte ich da dieselbe Erkenntnis gehabt, weil ich gemerkt hätte, dass es mir auf offiziellen Pfaden dann doch wohler ist? Vielleicht war es aber auch überhaupt wichtig, dass ich das Ganze mal hinterfragt habe mit dem "einsamen Aussteiger auf völlig unkonventionellen Wegen". Und vermutlich ist dieser ganze Reflexionsprozess mit dieser Wanderung noch nicht abgeschlossen.

Den Text habe ich übrigens geschrieben aufgrund von Notizen, die ich mir während des Wanderns immer wieder gemacht habe. Von daher sind das tatsächlich Gedanken, die mir während des Wanderns gekommen sind - frei von Nachbearbeitung. Das ist aber nicht unbedingt die Regel, dass man bereits Schlussfolgerungen während der Wanderung zieht. Meiner Therapeutin habe ich damit einen Teil ihrer Arbeit abgenommen - nämlich die Nachbesprechung. Sie hat meinen Bericht so hingenommen und gar nicht gross nachgefragt. "Sie haben den nächsten Schritt ja schon selber gemacht", meinte sie. Naja. Ich hab halt einen sozialen Beruf und wurde in der Ausbildung auf so Reflexions-Geschichten getrimmt.

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BeitragVerfasst: Do 4. Jan 2018, 09:46 
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Tunnelmensch
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Ich denke sehr viel ueber mein Leben nach, aber brauche deswegen nicht mit einem Stein zu sprechen. Grundsaetzlich kann ich aber auch beim laufen am besten denken. Von daher mache ich viele Wege zu Fuss wo andere ein Fahrzeug benötigen.

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BeitragVerfasst: Do 4. Jan 2018, 11:25 
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Megalitiker hat geschrieben:
...aber brauche deswegen nicht mit einem Stein zu sprechen...

Das meinte ich. Manche ziehen Nutzen, und andere brauchen es eher nicht.
Wenn Du (oder ich auch) beim Gehen ueber Dinge nachdenken, dann ist das so eine Art Mini-Version?

Ich denke, dass sich Jeder unterschiedlich organisiert. Alles was individuell weiterhilft, kann da willkommen sein. Wandern muss ja nicht das einzige Werkzeug hierbei bleiben.
Vielleicht braucht es auch mehrere Wanderungen.
Praktisch denke ich gerade daran, dass man hier ja eine gewisse Erwartungshaltung hat. Die sollte man so weit wie moeglich verdraengen. Das haben womoeglich die Betrunkenen am Bus versucht...


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BeitragVerfasst: Do 4. Jan 2018, 12:47 
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Durchgeknallt
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Danke No_mad, für deinen sehr ausführlichen Bericht. Diesen habe ich mit vollem Interesse gelesen.
So eine Wanderung kann schon hilfreich sein, alleine deshalb, weil man in Bewegung ist.
Wenn ich mentale "Wanderungen" vor dem Einschlafen vollziehe, passiert es mir nur all zu oft, dass ich dabei einschlafe.
Ich finde es prinzipiell immer gut, mal neue Wege (und das nicht nur wörtlich gemeint) zu gehen. Eine gute Reflektion ist bei solchen Methoden aber Voraussetzung, die du ja hast.
Ansonsten hilft es einem ja nicht wirklich weiter.

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BeitragVerfasst: Do 4. Jan 2018, 14:24 
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Backpacker
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Shiva hat geschrieben:
Eine gute Reflektion ist bei solchen Methoden aber Voraussetzung, die du ja hast.
Ansonsten hilft es einem ja nicht wirklich weiter.


...oder man holt sich eben Hilfe bei der Reflexion. Das muss meines Erachtens nicht unbedingt eine dazu ausgebildete Person sein. Ein guter Freund/eine gute Freundin, die einem auch unverblümt die Wahrheit sagen und kritisch hinterfragen kann (ist ja auch Teil der Definition "guter Freund/gute Freundin") ist dabei ebenso hilfreich.

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BeitragVerfasst: Do 4. Okt 2018, 00:45 
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Hallo zusammen,
seit über 25 Jahren lebe ich im wunderschönen Mittelamerika. Costa Rica, Guatemala und auf Kuba. Seit 6 Jahren findet man mich am Rio Dulce, nahe der Karibikküste von Guatemala.
Über meine Erfahrungen und Begegnungen als (ungeplanter) Auswanderer habe ich ein Buch geschrieben. Schau mal hier:
www.grenzenlos-peter-kruse.com
Gerne lasse ich jedem ein kostenloses eBook Exemplar zukommen, der interessiert ist. Vielleicht kommst du ja auch auf den Geschmack oder kannst von meinen Erfahrungen profitieren.
Saludos,
Peter
www.facebook.com/Peter.Kruse.Grenzenlos ... Aussteigen


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